Was bedeutet Kapitalverzehr?
Kapitalverzehr ist der geplante Abbau von Vermögen, um den Lebensunterhalt zu finanzieren. Anders als beim „Leben von den Zinsen“ (wo das Grundkapital erhalten bleibt), greifst Du hier die Substanz an. Das Depot oder Konto wird über die Zeit kleiner, bis es theoretisch bei Null steht.
Es ist das Gegenteil von Thesaurierung oder Kapitalerhalt. In der Ruhestandsplanung ist der Kapitalverzehr oft notwendig, um die Lücke zwischen gesetzlicher Rente und Wunsch-Einkommen zu schließen.
Wie funktioniert Kapitalverzehr in der Praxis?

Beim Kapitalverzehr verkaufst Du regelmäßig Anteile Deines Investments (z. B. ETF oder Fonds), um Dir ein monatliches „Gehalt“ auszuzahlen. Hier wird das Fondsdepot selbst zum Auszahlungsplan. Im Gegensatz zu einer reinen Leibrente behältst Du die volle Liquidität und Entscheidungsfreiheit über Dein Restkapital.
Die Pfafi-Analogie: Der Kornspeicher Stell Dir Dein Vermögen als einen vollen Kornspeicher vor.
- Kapitalerhalt (Die ewige Rente): Du bäckst Brot nur aus dem Korn, das jedes Jahr neu auf dem Feld nachwächst (Rendite). Der Speicher bleibt immer voll. Das Feld vererbst Du weiter.
- Kapitalverzehr (Der Abbau): Die Ernte reicht nicht für Deinen Hunger. Du nimmst zusätzlich Säcke aus dem Speicher. Der Speicher wird jedes Jahr leerer. Die Kunst ist es, zu berechnen, dass der letzte Sack erst dann verbraucht ist, wenn Du ihn nicht mehr brauchst.
Viele unterschätzen, wie schnell Kapital schmilzt. Rechnen wir mit 100.000 € Zusatz-Kapital für den Ruhestand:
- Szenario A (Kopfkissen): Du entnimmst 500 € monatlich. Das Geld liegt unverzinst (0 %). Nach 16,6 Jahren ist das Konto leer.
- Szenario B (Mit Rendite): Das Geld liegt in einem Entnahmeplan mit 4 % Netto-Rendite. Du entnimmst weiterhin 500 €. Jetzt reicht das Geld ca. 27 Jahre.
- Die Gefahr: Wenn Du 1.000 € brauchst, ist selbst mit Rendite nach rund 10 Jahren Schluss.
Wichtig: Hier ist die Inflation noch nicht berücksichtigt, die Deine Kaufkraft zusätzlich frisst.
Warum ist das Thema für Anleger wichtig?
- Das Langlebigkeitsrisiko: Wir werden immer älter. Das größte Risiko beim Kapitalverzehr ist, dass das Geld ausgeht, bevor das Leben zu Ende ist.
- Die Reihenfolge der Renditen: Wenn Du in einer Börsenkrise (Crash) beginnst, Anteile für den Lebensunterhalt zu verkaufen, beschleunigst Du den Verzehr extrem (Sequence of Return Risk).
- Flexibilität vs. Garantie: Versicherungen bieten Leibrenten an (garantierter Verzehr bis zum Tod), behalten aber oft das Restkapital ein. Ein Entnahmeplan aus dem Depot bietet Zugriff auf das Restkapital, erfordert aber Disziplin.
Worauf Du achten solltest
- Kein Blindflug: Ein Kapitalverzehr-Plan muss regelmäßig (mindestens einmal im Jahr) überprüft werden. Läuft die Börse schlecht, musst Du die Entnahme vielleicht kürzen.
- Inflation einplanen: 2.000 € Entnahme sind in 20 Jahren vielleicht nur noch 1.300 € wert. Dein Plan muss dynamisch steigen, um die Kaufkraft zu erhalten.
- Der Notgroschen: Auch im Ruhestand brauchst Du Rücklagen für ungeplante Ausgaben, die Du nicht aus dem laufenden Verzehr bestreitest.
Reicht Dein Geld bis zum Schluss?
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Kurz zusammengefasst
Kapitalverzehr bedeutet, das angesparte Vermögen Stück für Stück aufzubrauchen. Das ist legitim und oft notwendig, erfordert aber eine präzise mathematische Planung, damit Du im hohen Alter nicht ohne Mittel dastehst.