Am Mittwoch, 9. Juli 2008, titelt die Finanzzeitung des HANDELSBLATTS „Banger Blick auf die Börsen“ und am Freitag darauf, gestern, schloss der DAX® unterhalb des Jahrestiefs bei 6.153,30, das zuvor bei 6.167,82 gelegen hatte. Die Unternehmenszahlen, die zu Beginn dieses Quartals gekommen waren, zeigten dagegen zunächst aber ein positives Bild. Auf der anderen Seite belasten immer noch Nachrichten aus dem Finanzsektor sowie zum Inflationstreiber Rohöl. Hier scheint kein Ende in Sicht, während es fundamental durchaus Grund zur Hoffnung gibt (Deutschland hatte im I. Quartal ein Wirtschaftswachstum von 1,5 % zu verzeichnen!).
Schaut man sich die Bewertungen der Unternehmen an, beispielsweise das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) so liegt dieser Wert für die DAX®-Werte im laufenden Jahr 2008 bei knapp über 10 (10,6), für 2009 knapp einstellig (9,1). Das KGV bei den Anleihen errechnet sich mit 22 vergleichsweise teuer. Dieses Niveau erinnert an das Jahr 2003, das Jahr, an dem die Börsen während des Iraq-Konfliktes nach einer 36 Monate währenden Talfahrt ihre Tiefstände fanden. Bei einem Durchschnitt von 14,6 im europäischen Vergleich seit 1998 lässt sich also festhalten: Aktien sind mittlerweile per se äußerst preiswert (Aber ggf. noch nicht preiswert genug). Wir haben also (noch?) hochrentable Unternehmen in einem äußerst depressiven Stimmungsumfeld, in dem Liquidität (wie so oft) knapp ist.
Angesichts der Jahreszeit (Sommerzeit = Ferienzeit) und der mehr als desolaten Stimmung scheint eine Wende mehr als in weiter Ferne. Kurzfristig darf also mit weiter fallenden Kursen gerechnet werden, bevor ein finaler Ausverkauf das Ende dieser Baisse einleiten dürfte. Kurios dagegen sind die Schätzungen deutscher Banken in dieser Woche, die den DAX® zum Jahresende im Schnitt bei 7.600 sehen. Dann wenn die Banken diese positiven Erwartungen revidieren, ist das Jahrestief nahe und der Zeitpunkt, trocken gehaltenes Pulver wieder einzusetzen. Nach dem bevorstehenden Ausverkauf, bei dem DAX®-Stände zwischen 5.000 und 6.000 Punkten gesehen werden dürften, spielen Schwellenländer wieder eine klar übergeordnete Rolle!. Wichtig: Um dieses depressive Szenario zu verlassen, ist eine weitere Verkaufspanik notwendig.
Die Indexschlussstände
| 31.12.2007 | 30.06.2008 | Saldo | Hoch 2008 | Tief 2008 | |
| Deutscher Aktienindex DAX® | 8.067,32 | 6.418,32 | -20,44% | 8.100,64 | 6.167,82 |
| VDAX | 16,36 | 22,06 | +34,84% | 32,64 | 13,63 |
| TecDax | 974,19 | 770,58 | -20,90% | 986,00 | 669,51 |
| Dow Jones Eurostoxx 50 | 4.404,64 | 3.417,25 | -23,88% | 4.411,59 | 3.352,81 |
| Dow Jones Industrial | 13.264,82 | 11.350,01 | -14,44% | 13.279,54 | 11.644,81 |
| Nasdaq Composite | 2.652,28 | 2.292,98 | -13,55% | 2.661,50 | 2.155,42 |
| Nikkei | 15.307,78 | 13.481,38 | -11,93% | 15.156,66 | 11.691,00 |