TINA! – There is no alternative?
Unter der Überschrift „Anleihen-Crash und Pensionsfonds-Rettung in Großbritannien – droht eine neue Finanzkrise?“ kommentiert die NZZ Online am 30.09.2022 die Geschehnisse zwei Tage zuvor:
Eine Verkaufswelle bei britischen Staatsanleihen, das Pfund im Abwärtsstrudel: In dieser Woche waren erhebliche Turbulenzen am britischen Finanzmarkt zu beobachten, die auch international nachwirkten. Schon geht die Angst vor einer neuen Finanz- und Schuldenkrise um. Auslöser waren Ankündigungen des neuen britischen Schatzkanzlers Kwasi Kwarteng. Dieser hatte Entlastungen für Konsumenten und Unternehmen bekanntgegeben, die durch noch mehr Schulden finanziert werden sollten. Dies löste derart heftige Verwerfungen an den Finanzmärkten aus, dass eine Not-Intervention der Notenbank BANK OF ENGLAND nötig wurde, um die Situation zu beruhigen. Innerhalb kürzester Zeit war es zu einer Schieflage bei milliardenschweren britischen Pensionsfonds gekommen, die stark in britische Staatsobligationen investiert sind. Auch war ein Rückzug von Banken aus dem Hypothekargeschäft zu beobachten. Nach der Bekanntgabe des Anleihen-Aufkaufprogramms der BANK OF ENGLAND beruhigten sich die Märkte wieder etwas. Es bleiben aber ein bitterer Beigeschmack und einige offene Fragen. Ökonomen, Analytiker und Pensionskassen-Spezialisten geben Auskunft darüber, wie die Lage nun einzuschätzen ist.
«Problematisch an der jüngsten Entwicklung in Grossbritannien war sicherlich die Geschwindigkeit, mit der sich der Renditeanstieg bei 30-jährigen Gilts vollzog», sagt Daniel Hartmann, der Chefökonom des Vermögensverwalters BANTLEON. Innerhalb von nur drei Tagen schnellten die Renditen von 3,50 auf 5,14 Prozent. Die massiven Rendite- und Kursbewegungen führten zu Problemen am Derivate-Markt. Fallende Kurse bei Anleihen bedeuten steigende Renditen.“
Die großen Zentralbanken dieser Welt, in erster Linie die FEDERAL RESERVE in den USA, im Gefolge die EZB, versuchen mit massiven Zinsanhebungen in erster Linie die Inflation zu bekämpfen, beenden aber nun auch die seit Jahrzehnten andauernde Politik des billigen Geldes! Beide Experimente (1. Die Zinsen so lange so niedrig zu halten und 2. Inflation, die aus galoppierenden Energiepreisen und pandemiebedingten zerstörten Lieferketten entstand, mit steigenden Zinsen zu bekämpfen) laufen und sind ohne historisches Vorbild mit offenem Ausgang. Die Zentralbanken nehmen in der Tat eine weltweite Rezession billigend in Kauf und verkaufen die Wirkungen ihres Experiments, der durchaus zu das Zeug zu einer brachialen Weltwirtschaftskrise hat, als reinigendes Gewitter.
Wir greifen den letzten und entscheidenden Satz aus der NZZ-Online auf: „Fallende Kurse bei Anleihen bedeuten steigende Renditen.“ Versicherungen, Pensionskassen sind laut ihrer Satzungen gezwungen, festverzinslich zu investieren. Sie kennen meine Warnungen an dieser Stelle: Fangen die Zinsen erst einmal an zu steigen, haben diese Vermögensverwalter, nachdem sie lange Zeit kaum noch Zinserträge erwirtschaften konnten, aber trotzdem noch massiv in Staatsanleihen investiert sind, nun die Herausforderungen zu bewältigen, dass die Kapitalstöcke massiv an Wert einbüßen, weil steigende Zinsen Verluste der zwangsweise gehaltenen Papiere erzeugen. Folge: Werden die Verluste zu groß, verbraucht sich das Risikobudget der jeweiligen Vermögensverwalter und sie ziehen die Reißleine, indem sie die Verlustbringer verkaufen. In der Folge? – Weiter steigende Zinsen.
Bis zum Crash ist dann nicht mehr weit… Dieses Mal nicht an den Aktien-, sondern an den Anleihemärkten. Die BANK OF ENGLAND hat mit massiven Anleihekäufen am 28. September in England einen Crash zunächst verhindern können und vorerst die Situation beruhigt. Uns zeigt, wie gefährlich und in der Tat: systemrelevant dieses Experiment sein kann, da ja unsere kapitalgedeckten Altersvorsorgungen sowie Geldwerte im Feuer sind. Insofern wir Deutsche uns ohnehin nicht schon anders aufgestellt haben? Wie? Sachwert, Sachwert, Sachwert. Es ist das vor Inflation geschützte Gut. Es schließt sich der Kreis zur Überschrift: TINA. Mit einem Unterschied in der Deutung – Alternativlos ist (und bleibt): Der Sachwert!!!
Selbst als die Zinsen anfingen zu steigen, hieß es noch anfangs: „TINA – There is no alternative“. Es gibt keine Alternative. Gemeint sind hier landläufig Aktien. Wir erweitern – wie oben bereits angedeutet – an dieser Stelle: Sachwertbasierte Vermögensklassen (Asset-Klassen), also Immobilien, Infrastruktur und klar: Aktien.
Was hat sich zum I. respektive II. Quartal dieses Jahres verändert? Die Stimmung, die sich schon in diesen Quartalen auf dem tiefsten Stand in der Nachkriegsgeschichte befand, hat sich mitnichten erholt, sondern noch weiter eingetrübt. Steigende Zinsen. Steigende Preise. Inflation auf einem 70-Jahreshoch. Ein scheinbar nicht enden wollender Krieg in Europa. Fazit: Rezession.
Am 24. August veröffentlichte JANUS HENDERSON (kaufte GARTMORE) noch: „Laut dem jüngsten JANUS HENDERSON Global Dividend Index stiegen die weltweiten Dividenden im zweiten Quartal 2022 um 11,3 % auf ein neues Quartalshoch von 544,8 Mrd. US-Dollar. Das bereinigte Wachstum war mit 19,1% sogar noch höher, berücksichtigt man die Dollarstärke und andere Faktoren. 94% der Unternehmen erhöhten im zweiten Quartal ihre Ausschüttungen oder hielten sie konstant. Trotz der erheblichen wirtschaftlichen Beeinträchtigung durch die Pandemie haben die weltweiten Dividenden das Vor-Pandemie-Niveau übertroffen. Darüber hinaus ist die Erholung so stark, dass die Dividenden nur noch 2,3% unter dem langfristigen Trend liegen… Die guten Zahlen für das zweite Quartal ergeben sich aus einem profitablen Jahr 2021…“
Fazit: Unternehmen gehen traditionell am besten mit der aktuellen extremst schwierigen Situation um, weil sie unternehmerisch denken!!! Historisch belegt: Aktien können, wenn die Zinsen anfangen zu steigen, mit dieser Situation konstruktiv umgehen.
Zu guter Letzt – als Lichtblick – aufmunternde Fakten und warum es sich lohnen wird, Aktien in dieses historische Stimmungstief hinein zu kaufen:
- Trotz Stimmungstief keine steigende Arbeitslosigkeit
- Entspannungssignale bei Lieferketten und Inflation
- Rekordhohe Auftragseingänge (Pralle Auftrahsbücher)
Die Schlussstände
| 31.12.2021 | 30.09.2022 | Saldo | 52 Wochenhoch | 52 Wochentief | |
| DAX® (Performance) | 15.870,96 | 11.982,18 | -24,50% | 16.289,00 | 11.861,60 |
| DAX® (Kurs) | 6.709,66 | 4.954,17 | -26,16% | 6.883,35 | 4.851,31 |
| VDAX-NEW® | 24,7322 | 30,6679 | +24,00% | 48,619 | 14,9979 |
| TecDax® | 3.920,17 | 2.670,82 | -31,87% | 4.010,04 | 2.593,89 |
| FTSE 100 Index | 7.387,648 | 6.825,281 | -7,61% | 7.688,32 | 6.801,19 |
| Dow Jones Eurostoxx 50 | 4.298,41 | 3.318,20 | -22,80% | 4.415,23 | 3.249,57 |
| Dow Jones Industrial | 36.416,293 | 28.758,86 | -21,03% | 36.945,20 | 28.726,307 |
| Nasdaq 100 | 16.440,31 | 10.973,965 | -33,25% | 16.768,40 | 10.973,965 |
| Nikkei 225 | 28.895,05 | 25.977,174 | -10,10% | 29.934,50 | 24.545,00 |
| MSCI EM® | 1.232,01 | 875,79 | -28,91% | 1.301,13 | 873,29 |
| REXP® | 490,7691 | 438,1929 | -10,71% | 496,149 | 434,385 |
| Ölpreis (Brent) in US$ | 79,1282 | 85,4609 | +8,00% | 133,056 | 66,2773 |
| €/US$ | 1,1319 | 0,98 | -13,42% | 1,1691 | 0,9539 |
| Gold US$/Oz Bid | 1.817,1431 | 1.665,2795 | -8,36% | 2.069,36 | 1.615,54 |
| Bitcoin in € | 41.566,449 | 19.958,07 | -51,99% | 58.240,54 | 18.054,35 |
| TL Infrastructure Income Fund | 811,11 | 824,43 | +1,64% | 824,43 | 792,05 |