1998! Das bewegteste Jahr dieser Dekade liegt hinter uns! Experten trauten in ihren Prognosen für 1998 den deutschen Standartwerten vorsichtig 10 bis 15% Wertsteigerung zu1. Letztendlich kamen 17,8% heraus, allerdings sagt dieser Prozentsatz nicht im Entferntesten aus, wie turbulent diese zwölf Monate tatsächlich verlaufen sind, welche Euphorie in den Märkten steckte und wie Panik die Herzen der Anleger, Investoren und Zocker ergriff! 2
Die beste Welt aller Welten, in der es nur aufwärts zu gehen scheint, zeigte sich bis zum 22. Juli3. Der Deutsche Aktienindex DAX erklomm eine schwindelerregende Höhe von 6.224,52 Punkten (im Computer-Handelssystem Xetra) und produzierte ein stattliches Plus von 46,47% im Vergleich zum Jahresende 19974. Ohne Vorankündigung platzte dann aber diese Blase: Bis zum 08. Oktober kannten die Börsen in den Industrieländern nur noch eine Richtung: Abwärts5. Die Jahrestiefs wurden beispielsweise im DAX im Verlauf um 3.806 Punkten markiert, knapp 39% unter dem Jahresverlaufshoch vom 22. Juli6. Die Angst vor einer globalen Rezession ging um, die Finanzsysteme der Schwellenländer drohten zu kollabieren bzw. kollabierten7. Die asiatische Grippe, die bereits im Juli 1997 in Thailand ihren Ursprung nahm, grassierte weltweit in ihrer zweiten Welle8. Rußland fiel mit der Freigabe des Rubel, Lateinamerika stand kurz davor, Malaysia belegte ihren Finanzmarkt mit harten Restriktionen (Verkaufsverbot für Ausländer für zwölf Monate)9.
Die Börsen dieser Regionen wurden heftigst durchgeschüttelt10. Beispielsweise verloren im August die lateinamerikanischen Börsen im Schnitt ca. 35% und erlebten eine ihrer kräftigsten Abwärtsbewegungen, obwohl die fundamentalen Daten diesen Rückgang in keinster Weise in diesem Ausmaß rechtfertigten11. Die Niedergänge in den Schwellenländern wirkten sich in der Folge auf die Umsatzzahlen der Unternehmen in den Industriestaaten aus12. Selbst die Aktien großer Unternehmen, die sogenannten „Blue Chips“, die zu Anfang aufgrund Ihrer Wiederstandsfähigkeit gegen die Krise gesucht waren, wurden gegen Anleihen getauscht, die Zinsen, die bereits auf historisch niedrigem Niveau waren, fielen noch weiter13. Der Crash auf Raten, der sogenannte „Salami-Crash“, war perfekt! 14
Allerdings leiteten die Wiederwahl des Herrn Cardoso bei den Parlamentswahlen in Brasilien am 4. Oktober und das daraufhin vorgelegte Fiskalpaket sowie ein deutlicher Eingriff der geldmarkt-politischen Behörden in Hongkong (Zinserhöhung und Aufkauf von Hongkong-Werten im Wert von 15 Milliarden US$) die Wende ein15. Heute erscheint dieses Szenario um den 1. Oktober herum nur noch als ein böser Traum16. Die Phantasie aus Unternehmensfusionen und aus der Währungsumstellung auf den Euro wie vor allem der Überschuß an Liquidität treiben zur Zeit die Kurse wieder nach oben17171717.
Die USA, die nur zu einem relativ geringem Anteil exportabhängig sind, feiern an der NASDAQ, dem Markt für Technologieunternehmen, einen neuen historischen Höchststand nach dem anderen18. Der DOW JONES Industrial Index, das weltweit meistbeachteste Marktbarometer, erzielte bereits wieder am 23. November einen neuen Schlußrekord19. Der DOW JONES Eurostoxx50, der 50 namhafte Unternehmen aus dem Euroland zusammenfaßt, notierte am Jahresende nur noch knapp 10% unter seinen historischen Höchstständen, dem DAX fehlen allerdings noch knapp 20%20. Dieses Phänomen wird als das „Oskar-Gap“ bezeichnet, da DAX und DJ Eurostoxx50 bis zur Bundestagswahl am 27. September parallel liefen und danach getrennte Wege gingen21. Umschichtungen raus aus deutschen hinein in andere europäische Aktien aufgrund der „nicht unbedingt“ unternehmensorientierten Wirtschafts- und Fiskalpolitk der neue Regierung Schröder / Lafontaine waren die Folge22.
Die wichtigsten Börsenindizes zum Jahreswechsel 1998/1999 23
- Frankfurt: Deutscher Aktienindex DAX24
- 5.006,57 (4.249,69) 25
- +17,8% 26
- New York: DOW JONES Industrial Index27
- 9.181,43 (7.908,25) 28
- +16,1% 29
- Tokio: NIKKEI Index30
- 13.842,17 (15.258,74) 31
- -9,3% 32
1999 verspricht, ähnlich wie 1998, turbulent und spannend zu werden33. Einige Fragezeichen, welche die Märkte bewegen34:
- Steht die Binnenkonjunktur weiter auf der Wachstumsbremse, nachdem die Exporte wegzubrechen drohen? 35
- Fallen die Zinsen weiter? 36
- Gelingt es den Notenbanken, die Finanzpolitik im Fahrwasser zwischen Inflation und Deflation zu halten? 37
- Wird der Euro fester als erwartet? Wie konkurrenzfähig wird Euroland dann bleiben? 38
- Wohin treibt die nach wie vor vorhandene Liquidität die Aktienmärkte bei den sehr niedrigen Zinssätzen (Anlagenotstand)? 39
- Haben wir in den Schwellenländern 1998 das Schlimmste überstanden? 40
PROGNOSE
Ich meine, daß wir das Schlimmste in den Schwellenländer tatsächlich gesehen haben und in diesem Segment ein Jahr mit außerordentlichen Kurszuwächsen vor uns haben41. Wenn der Knoten erst einmal platzt, sind sehr schnell 50 bis 100% Steigerung möglich42.
Geheimtipp: FIDELITY Thailand Fund bzw. FLEMINGS China Fund43.
Mit der Beruhigung an den Schwellenländerbörsen dürfte auch an den Märkten der Industriestaaten Sicherheit zurückkehren44. Die Steigerungsraten, die wie bereits letztes Jahr bei 10 bis 15% liegen, dürften liquiditätsbedingt schnell übertroffen und korrigiert werden45. Denn was macht man, wenn am Ende des Kurszieles noch so viel Jahr übrig ist? Man erhöht das Kursziel einfach! 46Ich meine, daß wir in ganz Euroland neue historische Höchststände bereits bis Ende April / Anfang Mai 1999 markieren47. Die Unsicherheitsfaktoren (Konjunkturschwäche, ein möglicherweise wesentlich festerer Euro) dürften dann aber zum dritten Quartal hin wieder die Märkte bestimmen48.
Geheimtipp: GARTMORE: Continental Europe Fund49.
Die Wallstreet dürfte sich ebenfalls sehr schnell weiter zu neuen Höhen aufschwingen, sollte aber auch im Verlaufe des kommenden Jahres mit der sich beruhigenden Konjunktur zu kämpfen haben50. Japan dürfte aufgrund des sehr starken YEN und steigender Zinsen wirtschaftlich weiter das „Problemkind“ bleiben, eine Prognose ist sehr schwierig51. Attraktivere Märkte bieten sich an52.
Ich wünsche Ihnen ein putzmunteres Jahr 1999, viel Erfolg an den Börsen dieser Welt und verbleibe mit den herzlichsten Grüßen53.