„Financial Repression“ – Wo bleibt die Inflation? (HANDELSBLATT 04.10.2013)

2013
Quartal III
Bernd Schmidt
Von Bernd Schmidt
Diana Gotzmer
Geprüft Diana Gotzmer
Aktualisiert: 12. Oktober 2025
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„Financial Repression“ – Wo bleibt die Inflation? (HANDELSBLATT 04.10.2013)

04.10.2013

„Wo steht es geschrieben, dass es ein Recht auf Realzinsen gibt?“ fragte der einflussreiche Währungshüter. Das Gerede von der Financial Repression, also jenem Phänomen, bei dem der Anleger genötigt wird, niedrige Zinseinnahmen zu akzeptieren, die unterhalb der Inflationsrate liegen, um letztendlich den überschuldeten Staat zu entlasten, hält er für „Unsinn“. Niemand wird gezwungen, schlecht verzinste Staatsanlehen zu kaufen. Wer wolle, könne jederzeit riskantere Investments rund um den Globus tätigen. Namentlich zitieren will sich der Notenbanker nicht. Erst recht nicht in einer deutschen Zeitung.“

Umso wertvoller ist deshalb die ironische Aussage, weil sie als zumindest ehrlich einzustufen ist! Die provokante Frage trifft ins Schwarze der Angst der deutschen Mentalität, sein Vermögen nur keinen Schwankungen auszusetzen. Wer allerdings dieser Angst nachgibt, verliert real Geld und hilft dem Staat in der Tat, sich seiner Schulden zu entledigen. Denn das ist der auch historisch belegte Weg, große Schuldenberge abzubauen. Und die Schuldenberge sind immens. Allein Deutschland, das als Vorzeigeland in Europa gilt, hat gut 2 Billionen € Schulden.

Der historisch belegte Weg, diesen Schulden abzubauen, führt über die negative Realverzinsung, also Financial Repression. Der Deutsche verfügt über 5 Billionen € dem Niedrigzins plus Inflation ausgesetztem Geldvermögen. Es findet also ein gigantischer Transfer des Sparers an den Staat statt. Und beide Seiten schauen zu. Die eine Seite wohlwollend, ironisch, wie oben zu lesen, die andere Seite verängstigt, paralysiert von den Erfahrungen, die sie beispielsweise mit Aktien in den vergangenen dreizehn Jahren gesammelt hat.

Konditioniert, dass bei 8.000 im DAX® immer Schluss sei. Andreas Tetzlaff, DWS, gebraucht das Bild vom Menschen, der jedes Mal, wenn er auf die Wiese (DAX® bei 8.000) ging, von der Schlange gebissen wurde (Der DAX® gab zweimal in den zurückliegenden dreizehn Jahren anschließend deutlich ab). Mittlerweile traut er es sich nicht mehr, diese Wiese“ zu betreten.

Dieses Abwenden führte dazu, dass seit der Jahrtausendwende der Anteil der Ausländer an den DAX®-Aktien von 35 auf 55 Prozent anstieg. Weil der gemeine Deutsche derart stabilitätsverliebt ist. Ein neuer und trauriger Rekord („Der Dax geht fremd“ HANDELSBLATT 25.09.2013). Wir arbeiten mehrheitlich also für das Ausland. Herzlichen Glückwunsch! Weil die reichen Deutschen Angst vor Eigenverantwortung bzw. Kursschwankungen haben!

Fazit:

In der HANDELSBLATT Ausgabe vom 04.10.2013 empfiehlt der Chefvolkswort des IWF, Oliver Blanchard, für die nähere Zukunft vier Prozent Inflation als Richtgröße, um die Finanzkrise zu überwinden“. Da die Zinsen also einhellig weiter unter Inflation erwartet werden und uns demzufolge eine negative Realverzinsung noch ein Stück weit begleitete, bleiben Sachwerte, also Immobilien, Aktien und Beteiligungen, weiterhin alternativlos. Andreas Tetzlaff, DWS, spricht von mindestens zehn Jahren steigenden Aktienmärkten aus einer Financial Repression heraus. Es möge sich also entsprechend positionieren, der sich noch nicht positioniert habe!

Die Indexschlussstände

30.09.201331.12.2012Saldo52 Wochenhoch52 Wochentief
Deutscher Aktienindex DAX®8.594,407.612,39+12,90%8.770,106.950,53
VDAX15,6214,96+4,41%22,0712,29
TecDax1.083,51828,11+30,84%1.087,73788,48
Dow Jones Eurostoxx 502.893,152.635,93+9,76%2.955,472.427,32
Dow Jones Industrial15.129,6713.104,14+15,46%15.709,5812.471,49
Nasdaq Composite3.764,873.019,51+24,68%3.798,562.810,80
Nikkei 22514.455,8010.395,18+39,06%15.942,608.488,14
REXPO443,60446,99-0,76%447,77435,61

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Bernd Schmidt
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