„Tag der Besinnung“ (HANDELSBLATT 27.06.2013)

2013
Quartal II
Bernd Schmidt
Von Bernd Schmidt
Diana Gotzmer
Geprüft Diana Gotzmer
Aktualisiert: 12. Oktober 2025
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„Tag der Besinnung“ (HANDELSBLATT 27.06.2013)

06.07.2013

„Börsianer erkennen, dass sie zuletzt wohl überreagiert haben. Wenn die Märkte momentan eines zeigen, dann das: Sie haben keine einheitliche Meinung zu dem, was gerade bei den Notenbanken quer über den Globus abgeht. Einzig darüber, dass deren Unterstützung in Zukunft nicht mehr so fließen wird wie bisher, ist man sich einig. Wobei es mit Japan eine Ausnahme gibt. Zumindest setzt sich mittlerweile die Einsicht durch, dass weniger Geld von Notenbanken nicht unbedingt schlecht sein muss. „Es ist nicht so, dass die US-Notenbank keine Liquidität mehr in den Markt geben wird“, sagt William de Vijlder, oberster Stratege bei BNP PARIBAS INVESTMENT MANAGERS. Es werde lediglich weniger. So besannen sich am Mittwoch weitere Anleger, die teils massiven Verluste der jüngsten Zeit, zum Einstieg zu nutzen. Der DAX®, der schon am Dienstag anderthalb Prozent zugelegt hat, gewann bis zum Nachmittag weitere 1,7 Prozent auf 7.942 Punkte. Dazu trug auch die weitere Beruhigung in China bei, wo noch am Montag die Angst vor einer Kreditklemme für einen heftigen Einbruch der Kurse gesorgt hatte.“

Tritt man einen Schritt zurück, um das Gesamtbild auf sich wirken zu lassen, so ist Folgendes zu konstatieren:

  1. Endlich, endlich, endlich wurde am Aktienmarkt ein dreizehn Jahre währender Seitwärtstrend nach oben verlassen und weltweit(!) ein Kaufsignal signalisiert!
  2. Der dreißig(!) Jahre währende Zinszyklus am Anleihemarkt sinkender Zinsen nähert sich mit dem oben beschriebenen Signal der Notenbanken seinem Ende. Die Erwartungen an nun steigende Zinsen sind allerdings sehr zurückhaltend, da die Wirtschaftsindikatoren kein außerordentliches Wachstum bedeuten, dass man bereits mit höheren Zinsen wieder bremsen müsste.
  3. Die laufende Korrektur darf für diejenigen (auch institutionelle Investoren wie Versicherer und Pensionskassen, aber auch mündige Bürger) gesehen werden, die es bis dato noch geschafft haben, die Aktienquote entsprechend zu erhöhen bzw. überhaupt Aktien als Assetklasse zu entdecken.
  4. Die Aktienquoten liegen darnieder. Nur jeder sechste Deutsche besitzt Aktien (Quelle HANDELSBLATT RESEARCH Factbook Aktie). Die Aktienquoten deutscher Versicherer lagen 2012 darnieder, beispielsweise beim Branchenprimus ALLIANZ bei 7,2%, bei MUNICH RE bei 3,1%. DIE WELT schrieb am 31.08.2012: „Nach Angaben des Branchenverbandes GDV ist die Aktienquote in den vergangenen Jahren kontinuierlich gesunken. Lag sie 2007 noch bei 8,5 Prozent, waren Ende 2011 nur noch 2,9 Prozent in Dividendenpapieren investiert. Die „Welt“-Umfrage legt nahe, dass die ohnehin niedrige Aktienquote auf zuletzt 2,8 Prozent gesunken ist. Die meisten Angaben beziehen sich auf das erste Halbjahr 2012.“
  5. Bei einem Zinsniveau von ca. 1% und einer Inflationsrate von 1,8 % im Juni 2013 (Quelle: STATISTISCHES BUNDESAMT) wird geldwertes Vermögen weiter sukzessive vernichtet. Die Lösung heißt. Sachwert!

Fazit:

Die Sommerkonsolidierung nutzen, um geldwertes Vermögen in Sachwerte umzuschichten. Aktien sind nach wie vor alternativlos. Im HANDELSBLATT RESEARCH Factbook Aktie liest man vom „Jahrzehnt der Aktien“. Wer defensiv orientiert ist kauft Substanz- und Dividendenfonds, wer mutiger ist, investiert gehebelt in den Schwellenländern. Den alten Kontinent Europa hierbei bitte nicht vernachlässigt.

Die Indexschlussstände

30.06.201331.12.2012Saldo52 Wochenhoch52 Wochentief
Deutscher Aktienindex DAX®7.959,227.612,39+4,56%8.557,866.261,74
VDAX19,1714,96+28,14%24,5012,29
TecDax946,35828,11+14,28%985,03729,78
Dow Jones Eurostoxx 502.602,592.635,93-1,26%2.851,482.142,46
Dow Jones Industrial14.909,6013.104,14+17,78%15.542,4012.471,49
Nasdaq Composite3.403,253.019,51+12,71%3.532,042.810,80
Nikkei 22513.677,3210.395,18+31,57%15.942,608.328,02
REXP®439,78446,99-1,61%447,77433,37
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