Ein wunderbar eingedeutschter Begriff: DELEVERAGING. Hinter diesem Begriff verbirgt sich auf der einen Seite die eingeschränkte Kreditvergabe der Banken weltweit, die zwar auf der weltweit auf niedrigstem Niveau zur Verfügung gestellten Liquidität sitzt, diese aber sehr dosiert weitergibt. Angesichts der Krise, die allen noch in den Knochen steckt, traut man unternehmerischem Denken und Handeln nicht sehr weit. Man ist auf dieser Seite des Geldes sehr risikoavers geworden, scheut also jegliches Risiko, man könne sein verliehenes Geld nicht wieder bekommen.
Auf der anderen Seite, auf der Nachfrageseite, ist die Neigung allerorts äußerst ausgeprägt, Projekte weitestgehend ohne Kredit, also ohne Fremdmittel und somit auch ohne unnötige zusätzliche Belastung zu verwirklichen. Auf diese Weise reduziert man unternehmerische Risiken, da man der festen Verpflichtung aus einem aufgenommenen Darlehen so konsequent aus dem Weg geht, und Kosten. Es wird gesundes und solides Wachstum generiert, ohne jegliche Hebel, pur aus der Substanz heraus. Auf beiden Seiten des Geldes scheint man anlässlich der langsam zu Ende gehenden Krise kürzer zu treten, vorsichtiger zu werden.
Die Folge ist ein Investitionsstau, der aber auch nur sehr zögerlich aufgelöst wird. Letztendlich meist nur dort, wo auch echte Nachfrage existiert. Man investiert akut ungern nach dem Prinzip Hoffnung, lehnt sich nicht aus dem Fenster, sondern nur dort, wo sich auch wirklich etwas bewegt. Mit Depression würde man allerdings die Nachkrisenzeit nicht wahrheitsgetreu umreißen, da die Erholung in ihrer Spitze doch v-förmiger abläuft, als eine Depression diese beschreiben würde.
Hört man den Menschen zu, die sich hauptberuflich damit beschäftigen, die wirtschaftliche Zukunft vorher zu sagen, so herrscht hier ein gemeinsamer Tenor vor. Man erwartet ein moderates Wirtschaftswachstum in den nächsten Jahren, sieht angesichts der aus der schlimmsten Krise aller Zeiten geschuldeten Politik des billigen Geldes erhöhte Gefahren bei der Inflation, allerdings keine Hyperinflation. Die Sparquote wird eine Renaissance erleben. Angst um Arbeitsplatz und Zukunftssorgen prägen allerorts, sowohl auf unternehmerischer als auch auf privater Seite das Bild.
Die Unternehmen stehen weiter auf der Kostenbremse, freuen sich über die leicht wieder anziehende Konjunktur, und die deutlich über den pessimistischen Erwartungen liegenden Unternehmensergebnissen, wissen aber auch darum, dass die akuten positiven Zahlen meist nur Folgen der eigenen Sparmaßnahmen sind. Die eigenen Erwartungen sind extrem zurückhaltend und lösen weitere Spaßmaßnahmen aus. Echte Investitionen sehen anders aus.
David M. Darst, Chefstratege bei MORGAN STANLEY SMITH BARNEY, ordnet die akute Situation in den Kontext ein: Er sieht die akute Phase als Seitwärtsbewegung, bezeichnet sie als „essenziell flach“, die 2000 begonnen hat, schon zwei Mal (1930-1947 und 1966-1983) durchlaufen wurde und somit 2017, vielleicht aber auch 2015/2016 ein Ende findet. Damit sollte dann die Krise endgültig überstanden sein, eine fulminante und nachhaltige Erholung möglich sein. Er sieht trotzdem die aufstrebenden Länder akut vorn, in denen auch heute Wachstum vorherrscht und die auch heute echte Nachfrage generieren.
BERNECKER schreibt in seiner jüngsten Ausgabe des AKTIONÄRSBRIEF 13.10 „Aktien bieten derzeit die höchste Rendite bei geringstem Risiko.“ Er stellt das Risiko der Anleihen, auch aufgrund des geringen Risikoprofils Rentenpapiere genannt, dem der Aktien gegenüber, die eine deutlich höhere Dividendenrendite aufweisen.
Private wie institutionelle Anleger sind derzeit in Aktien unterinvestiert, dass es schon grenzwertig ist. Der Trend zu Aktien hat aber bereits im März letzten Jahres seinen Grundstein gelegt. Zwar wird die Zurückhaltung der nächsten Jahre, siehe oben, hier noch keinen ausufernde Entwicklung raus aus Anleihen rein in Aktien erwarten lassen, aber je weiter die Konjunktur sich erholt, je weiter die Krise wieder in den Hintergrund tritt, umso vermehrter werden Aktien gesucht und gefunden werden. Deshalb gilt es zu kaufen, bevor die Masse kauft!
Fazit:
Die Krise bzw, die daraus resultierende Angst und schlechte Stimmung bleibt uns länger erhalten als so mancher Optimist wenn es diese aussterbende Spezies überhaupt noch gibt! uns Glauben schenken mag. Damit bleibt uns allerdings die Zeit des Einkaufens, also niedriger Zinsen und günstiger Einkaufsgelegenheiten, noch ein wenig erhalten. Deflation, also fallende Preise, sollte allerdings nicht erwartet werden. Freuen Sie sich also weiterhin über so viel Pessimismus und Abstinenz, ebenso darüber, wenn er noch ein wenig anhält! Der Pessimismus als Kontraindikator!!!
Your Private Financial Advisor BERND SCHMIDT
Die Indexschlussstände
| 31.03.2010 | 31.12.2009 | Saldo | 52 Wochenhoch | 52 Wochentief | |
| Deutscher Aktienindex DAX® | 6.153,55 | 5.957,43 | +3,29% | 6.203,50 | 4.173,09 |
| VDAX | 16,88 | 20,84 | -19,00% | 36,54 | 16,39 |
| TecDax | 815,97 | 817,58 | -0,20% | 870,07 | 490,99 |
| Dow Jones Eurostoxx 50 | 2.931,16 | 2.966,24 | -1,18% | 3.044,37 | 2.122,50 |
| Dow Jones Industrial | 10.856,63 | 10.428,05 | +4,11% | 10.955,41 | 7.750,85 |
| Nasdaq Composite | 2.397,96 | 2.269,15 | +5,68% | 2.432,25 | 1.559,50 |
| Nikkei 225 | 11.089,94 | 10.564,44 | +4,97% | 11.147,62 | 8.449,87 |