Diesen Quartalsbericht beginne ich mit den weisen, hoffnungsvollen Worten des Spekulanten André Kostolanys aus seinem letzten Werk vor seinem Tode „Die Kunst über Geld nachzudenken“:
„Darum bin ich auch der Überzeugung, daß nach jeder Börsendepression, in der die Menschen ein wahrer Ekel vor Aktien und der Börse befällt, wieder Zeiten folgen, wo alle Wunden der Vergangenheit vergessen sind und die Menschen sich wieder von der Börse anlocken lassen wie die Motten vom Licht.“
Es ist enorm wichtig, sich den Mut zu bewahren, mit dem man in die Investition gestartet ist. Die zurückliegenden 1½ Baisse-Jahre gehören ebenso zur Börse wie die glanzvollen Jahre zuvor. Die Stimmung zu Jahresbeginn ist typisch für die Zeit nach dem Sell Off, dem Ausverkauf. Der DAX® hat seit dem 21. September (dem Tag des Sell Offs) bis zum Jahresende wieder nunmehr 45,80 % zugelegt. Mit dieser Erholung verbesserte sich natürlich auch wieder die Stimmung an den Börsen. Nun soll die lang erwartete wirtschaftliche Erholung im zweiten Halbjahr 2002 kommen; sechs Monate zuvor nehmen die Börsen die fundamentale Entwicklung vorweg.
Mein persönliches Szenario
Die laufende Erholung wird sicherlich noch 10, 15, vielleicht sogar 20 % weitergehen. Im DAX® sind sicherlich Stände über 6.000 Zähler möglich, bevorzugt werden Technologie- und zyklische Aktien. Da allerdings das wirtschaftliche Umfeld eine solche Bewertung noch nicht rechtfertigt, wird man Angst vor der eigenen Courage bekommen, also zurückkommen und Gewinne beherzt mitnehmen. So sind dann wieder Stände unter denen des Jahreswechsels im Bereich des Möglichen. Spätestens dann sollten die heutigen Zögerer ihren Mut zusammennehmen und zuschlagen.
Kostolany lässt für diese Situation wieder ein Bild sprechen: Laufen Sie (den steigenden Kursen und) einer abfahrenden Straßenbahn nicht hinterher, die nächste kommt bestimmt!
Ausblick und Strategie
Die im März 2000 beginnende Baisse (Phase tendenziell fallender Kurse) gipfelte zehn Tage nach dem welterschütternden Anschlag in Manhattan/New York am 21.09.2001 schulbuchmäßig in Panik und Ausverkauf (Sell Off). Die laufende Erholung wird typischerweise von vielen zur Vorsicht mahnenden Stimmen begleitet. Der Pessimismus steckt tief, ist aber auch notwendig, um nicht zu schnell wieder in Euphorie zurückzuverfallen.
Eines ist sicherlich klar: 2002 wird ein Jahr der Aktie, nachdem 2000 und 2001 Rentenjahre waren. Es ist Zeit, sich über die eigene Strategie Gedanken zu machen und sich gegebenenfalls in entsprechenden Cash-Fonds zu positionieren, um dann punktgenau zu tauschen. Es darf sich wieder berechtigte Hoffnung aufs Geldverdienen gemacht werden, bitte aber mit der gewohnten Geduld und Ausdauer.
Die Schlussstände der Indizes
| Die Schlussstände | 28.09.2001 | 31.12.2001 | (12-Monats-verlaufshoch) | (12-Monats-verlaufstief) |
| Deutscher Aktienindex DAX | 4.308,15 | 5.160,10 | 6.795,14 | 3.539,18 |
| Nemax AllShare | 843,53 | 1.095,83 | 2.938,20 | 693,83 |
| Dow Jones Eurostoxx 50 | 3.296,66 | 3.806,13 | 4.812,49 | 2.741,00 |
| Dow Jones Industrial | 8.847,56 | 10.021,50 | 11.350,95 | 8.062,34 |
| Nasdaq Composite | 1.498,80 | 1.950,40 | 3.714,46 | 1.387,06 |
| Nikkei | 9.774,60 | 10.457,61 | 14.556,11 | 9.382,95 |